- Winter 2026/27
Master - 264.098
- Modul Visuelle Kultur
MODul Visuelle Kultur
SPEKTRALE VISUALITÄTEN: NEKROÄSTHETIK UND DIE MACHT DER BILDER IM ZEITALTER VON KI
Architektur offenbart sich uns oft am deutlichsten durch ihre sichtbare Materialität. Doch alles, was wir vor uns sehen, ist auch mit unsichtbaren Strukturen verwoben. So hat insbesondere die fortschreitende Digitalisierung eine Vielzahl undurchschaubarer Prozesse in Gang gesetzt, die bestimmen, was wir zu sehen bekommen und wessen Dasein negiert, wenn nicht sogar ausgelöscht wird. In dieser technologisch gestützten Gestaltung des Sichtbaren verbirgt sich eine geisterhafte Präsenz all dessen, dem das Recht auf eine reale Existenz verwehrt bleibt. Der kamerunische Philosoph Achille Mbembe hat für den Einsatz dieser politischen Macht den Begriff der „Nekropolitik“ geprägt. Die brutale Macht der Nekropolitik entscheidet, wer oder was entbehrlich ist; worauf keine Rücksicht genommen wird; und was so weit entwertet werden darf, dass es letztlich zum Sterben verurteilt ist: menschliches Leben, nicht-menschliche Natur, Ökosysteme, Räume, Geografien.
Angesichts des rasanten Aufstiegs künstlicher Intelligenz, weltweiter Klimasorgen und einer fundamentalen Umgestaltung institutioneller Macht beschäftigen wir uns dieses Semester mit der spektralen Seite von Visualität. Wir ergründen die gespenstischen Dimensionen, die in der Gestaltung von Lebensräumen heute stecken – Heimsuchungen des Vernichteten, Zerstörten und Ausgelöschten, das im Vorhandenem auf unbequeme Art und Weise auftaucht, auch wenn ihm längst die Ressourcen entzogen sind, die es zum Leben braucht. Wie verhält sich dieses „hauntologische“ (Derrida) Nicht-Sein, das dennoch wirkt, zur Ausbreitung von KI-gestützter Bildermacht? Welcher Spuk findet sich in der von algorithmischen Empfehlungsfeeds diktierten öffentlichen Meinung? Wie wird visuelle Souveränität von den Geistern, Monstern und Vampiren der Vergangenheit heimgesucht, derer sie sich zu entledigen versucht? Und welche Räume und Ästhetiken generiert diese Konfrontation?
Zwischen den diskursiven Feldern der Architektur, der zeitgenössischen Kunst und der Theorie angesiedelt, wird das Modul eine Struktur für kritische Reflexion, kollaborative Diskussion und materielle Praxis durch Vorlesungen, Seminare, Lesegruppen, öffentliche Vorträge, Workshops und Vorführungen schaffen. Anhand von Beispielen aus Kunst, Architektur und Aktivismus wird erörtert, wie sich Formen kritischer Praxis manifestieren, welchen Herausforderungen sie gegenüberstehen und wie sie initiiert werden können.
Die Studierenden werden dazu angeregt, in einer aktiven und diskursiven Atmosphäre sowohl unabhängig als auch gemeinschaftlich zu arbeiten. Mit Unterstützung der Lehrenden des Forschungsbereichs wird jede/r Studierende aufgefordert, kreative Einzel- und Gruppenprojekte zu erstellen, die im Verlauf des Semesters entwickelt werden und praxisbezogene Interpretationen und Überlegungen zu den während der Dauer des Moduls aufgeworfenen Ideen anzustellen. Das Modulprogramm findet durchgängig montags statt. Zusätzlich sind an mehreren Dienstagen Workshops mit internationalen Lehrenden, Leserunden und Projektbetreuungen sowie Ergänzungsfächer angesetzt. Aufbauend auf den individuellen Fallstudien wird dieses Modul mit einer gemeinsam organisierten öffentlichen Ausstellung abgeschlossen.
Lehrende:
▶ PETER MÖRTENBÖCK
▶ HELGE MOOSHAMMER
▶ LYNN TURNER
▶ ANNA RESCH & SEBASTIAN JOBST (KONNEKTOM)
▶ N.N.
▶ BILAL ALAME
Details zu den einzelnen Lehrveranstaltungen auf TISS sowie hier im Bereich LEHRE
Kick-off: Montag, 5. Oktober 2026, 12:00-14:00
Ort: Seminarraum AC0440
ANMELDUNGEN VIA TISS-POOL
teamLab Borderless: MORI Building DIGITAL ART MUSEUM, Tokyo, 2026 (photo: Peter Mörtenböck)